Unblutige Kastration von Bullen mit der Burdizzo-Zange

Auf dem obrigen Foto seht ihr eine BURDIZZO-Zange mit seitlicher Begrenzung des Zangenmauls und Kniebügel nach KUCH. Damit kann man Rinder unblutig kastrieren. Es wird der Samenstrang gequetscht, dadurch die Blutzufuhr dauerhaft unterbrochen und die Hoden schrumpfen.

Vor der Kastration ist ein EKG absolut notwendig. Mit diesem Eier-Kontroll-Griff wird überprüft, ob Kryptorchismus (Hoden in Leistenkanal/Bauchhöhle) vorliegt, dann geht die Zangenkastration nämlich nicht. Normaler Hoden fühlt sich an wie Mozzarella in seiner Tüte.

Das ideale Alter für diese Kastrationsmethode sind 2-6 Monate. Dann ist die Angelegenheit nicht zu friemelig, aber der Samenstrang auch noch nicht zu dick für die Zange. Bei zu jung mit der Burdizzo-Zange kastrierten Bullen besteht zudem die Möglichkeit, dass sich das Hodengewebe „erholt“, was nicht zwangsläufig zu Fruchtbarkeit führt, aber durch die gebildeten Hormone zu männlichem Verhalten.

Rind in Vollnarkose mit ausgebundenem Bein

Wir machen diesen Eingriff immer in Vollnarkose. Zusätzlich wird an der Basis des Hodensacks unter der Haut zirkulär ein Lokalanästhetikum eingebracht und zudem der Samenstrang betäubt. Eine Rasur ist beim Rind meist nicht nötig. Desinfektion ist auch nicht nötig. Ein Schmerzmittel wird vor dem Eingriff gegeben.

Das Rind wird in Seitenlage verbracht und mit einem Strick das oben liegende Hinterbein ausgebunden. Wir wollen nicht getreten werden, falls die Narkose nicht gut sitzt.

Lokale Betäubung des Hodens

Der Samenstrang wird mit der einen Hand zur Seite gedrückt, dabei am Hoden ziehen, um den Samenstrang zu spannen. Mit der anderen Hand die Burdizzo-Zange ansetzen, Samenstrang weiter fixieren! Vorsicht, nicht die eigenen Finger quetschen. Es wird eine Minute gequetscht. Mit etwas Abstand wird jeder Samenstrang ein zweites Mal gequetscht. Zwischen den Quetschstellen der beiden Samenstränge eine Hautbrücke lassen, damit nicht der ganze Hodensack abfällt. Anschließend wird das Rind in Brustlage verbracht.

Jede Seite wird zweimal für eine Minute mit der Burdizzo-Zange gequetscht. In der Mitte muss eine Hautbrücke frei bleiben.

Die Wirkung tritt nicht sofort ein. Rinder bleiben noch ein bis zwei Monate zeugungsfähig!

Nach 6-10 Wochen wird ein erneuter EKG durchgeführt, um den Erfolg der Methode zu überprüfen. Die Hoden müssen deutlich kleiner und fester sein.

Man muss nicht eine Minute drücken, die Zange rastet ein und hält den Druck von alleine aufrecht.

Die Vorteile der unblutigen Kastration mittels Burdizzo-Zange gegenüber der blutigen Kastration sind das geringere Infektionsrisiko und im Sommer auch die geringere Gefahr eines Fliegenmadenbefalls. Die Zangenkastration geht auch schneller als die blutige Kastration. Nachteilig ist, dass die Wirkung nicht sofort eintritt. Es kann auch passieren, dass es gar nicht funktioniert, daher der zweite EKG-Termin nach ein paar Wochen.

Kastrierte Bullen heißen Ochse.

Fun-Fact: Der Kniebügel ist an der Zange, weil es sich bei der Zange um ein Erbstück handelt. Früher hat man Bullen im Stehen kastriert mit lediglich örtlicher Betäubung. Dabei hat man den Griff in der einen Hand, den Hoden in der anderen Hand und mit dem Knie den zweiten Schenkel der Zange gehalten. Heute ist so ein Kniebügel immer noch praktisch, denn man kann den Fuß da rein machen. Wenn ein zweiter Handgriff an der Zange ist, ist es etwas schwieriger die Zange zu schließen, aber geht auch.

Link

Eine Anleitung für diese Operation gibt es beim Vet Skills Net der FU Berlin: https://www.vetmed.fu-berlin.de/studium/skills-net/Lehrangebot/Lernstationen/_inhaltselemente/2allg/SOPs/SOP-B6-UnblutigeKastration-VetSkillsNet.pdf